Hpro+ HANDPROTHESE AUS DEM 3D-DRUCKER

Im Projekt Hpro+ haben sich Netzwerkmitglieder von 3D-Druck Solingen mit dem Wirtschaftinformatiker Rainer Martin zusammengetan, um eine voll bewegliche High-Tech-Handprothese zu geringen Kosten für einen Menschen in der Dominikanischen Republik zu realisieren.

Das neuartige an der Prothese,  ist, dass sie über mehrere unterschiedliche Bedienelemente gesteuert wenden kann und dass die Fingerglieder aus Hochleistungskunststoff bestehen.

Die Story

Es ist ein paar Wochen her, da erhielt unser 3D-Druck-Solingen Netzwerkpartner trendlog3.de einen 3D-Druckauftrag vom Wirtschaftsinformatiker Rainer Martin. Die zu druckenden Teile entpuppten sich als Glieder einer Handprothese.

In seinem letzten Urlaub in der Dominikanischen Republik hatte sich der Düsseldorfer mit einen Einheimischen angefreundet, der seit einem Unfall ohne seinen rechten Unterarm auskommen muss. Rainer Martin entwickelte spontan die Idee, für den Mann eine vollbewegliche steuerbare Handprothese herzustellen. Entsprechende Modelle waren dem Informatiker als sogenannte “Open-Source”-Projekte bekannt, seine Ausbildung und ein gewisses handwerkliches Geschick sollten ihm bei der Umsetzung helfen.

Kollaborative Zusammenarbeit im Charity-Projekt

Dieser Enthusiasmus begeisterte und motivierte Werner Koch von trendlog 3D, der auch als Koordinator des Netzwerks3D-Druck Solingen tätig ist.

Sein Plan: Die Expertise im Netzwerk nutzen und Unternehmen einbinden, die fachlich etwas beizusteuern haben, um ein gemeinsames Charity-Projekt zu starten. Ein kurzer Anruf bei der Geschäftsführerin Miriam Gatawetzki-Köppchen des Sanitätshauses Köppchen genügte und der erste Partner war an Bord. Auch die Geschäftsführer des Solinger Maschinenbauers AUMAT  und des 3D-Druck Materialspezialisten Indmatec aus Karlsruhe, mussten nicht lange überlegten, sondern erklärten sich ad hoc zur Mitarbeit im Projekt bereit.

Schnell entwickelten sich weitere Ideen: Wie wäre es, wenn man dazu beitragen könnte, dass Körperprothesen dieser Art über all auf der Welt, wo sie gebraucht werden, unkompliziert und kostengünstig vor Ort ausgedruckt werden könnte. Nicht weit von der Dominikanischen Republik  liegt Haiti mit seinen vielen Erdbebenopfern. Überall auf der Welt leben Menschen, darunter viele Kinder, die durch Naturkatastophen, Kriegswaffen und Landminen Arme oder Beine verloren haben und meist aus finanziellen und logistischen Gründen keine brauchbare Prothese erhalten.

Schon kurz nach dem ersten Kontakt kam es zu einem ersten Treffen der Projektmitglieder in der Orthopädie-Werkstatt des Sanitätshaus Köpppchen in Solingen-Ohligs. Achim Ihlefeld, technischer Leiter des Maschinenbauers AUMAT hatte bereits Teile der Hand ausgedruckt und zum ersten Treffen mitgebracht. Thomas Gatawetzki-Köppchen (Geschäftsführer) und Sascha Gevelhoff (Vertreibsleiter) vom Sanitätshaus steuerten ihre Vorstellungen aus orthopädie-technischer Sicht bei und Rainer Martin machte deutlich, welche Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale die Prothese auszeichnen sollen:

Die Handprothese soll sich auf drei Arten steuern lassen:

  • per auf der Prothese angebrachter Tastatur
  • per Sprachfehl und
  • per Druckimpuls  aus dem Armstumpf (Muskelkontraktion).

Werner Koch steuerte einen weiteren Aspekt dazu: Wie wäre es, wenn es gelänge, aus dem Handycap eines fehlenden Unterarms einen Vorteil zu machen, aus der Behinderung einen Vorsprung? Ein Netzwerkmitglied der ersten Stunde ist die Firma Indmatec aus Karlsruhe, denen das Verdient zukommt, den Hochleistungskunststoff PEEK (Polyetheretherketon)  für den 3D-Druck nutzbar gemacht zu haben. PEEK, dass sich auch als Medizinprodukt eignet, zeichnet unter anderem durch seinen sehr hohen Schmelzpunkt (ca. 340 Grad) aus. Würde man die Fingerglieder der Prothese aus PEEK drucken, wäre der Prothesenträger in der Lage, sehr heiße Dinge anzufassen und wäre sogar vor chemischen Verätzungen geschützt. Der Indmatec Geschäftsführer, Tony Tran-Mai war spontan bereit, die Expertise seiner Firma, die im vergangenen Jahr als  Best of Baden-Württemberg“-Startup ausgezeichnet worden ist, in das Projekt einzubringen.

Die H-Pro+ Projektbeteiligten und ihr Input

Inzwischen wurde in der Dominikaischen Rebublik ein Gipsabdruck erstellt. Die ersten Funktionen sind bereits realisiert. Die Handprothese nimmt bereits Formen an.

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